Entscheidung im Fall „Coldgame“

By on 23. Januar 2008

Wie die deutsche eSportsseite readmore.de berichtet, wurde im gestrigen Verfahren des deutschen eSportclans „Coldgame“ gegen ESL-Betreiber „Turtle Entertainment“ eine vorerst rechtsgültige Entscheidung getroffen. Eine der Parteien fühlt sich dabei sichtlich ungerecht behandelt.

Bereits im Dezember letzten Jahres wurde der Spieler Xektor aus dem Counter-Strike-Clan „Coldgame“wegen böswilligen Einsatzes von Fremdsoftware (Sog. Cheats – genauer ein „Aimbot“ und ein „Wallhack“) mitsamt seinem Clan aus der größten europäischen Liga, der ESL (Electronic Sports League) ausgeschlossen. (Wir berichteten)

Doch anstatt dieses Urteil ohne Weiteres hinzunehmen, legte Coldgame Widerspruch ein, besorgte sich einen Anwalt und strebte zunächst eine außergerichtliche Lösung an, was jedoch wegen mangelnden Interesses Seitens des Ligabetreibers scheiterte. Man zog also vor das Landesgericht in Köln, wo die Verhandlung aufgrund des 300-seitigen Beweispapieres, welches Turtle Entertainment vorlegte, bereits nach zwei Minuten vertagt wurde. (Wir berichteten wieder)

Nachdem ein zweiter Versuch, eine außergerichtliche Einigung zu erziehlen wieder von Turtle Entertainment abgewiesen wurde, fand gestern am 22.01.2008 nun die Verhandlung statt. In deren Verlauf gab Richterin Kempermann bekannt, dass „der Antrag von Coldgame auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zur Aufhebung der Sperre für XektoR nach Informationen der ESL abgewiesen wurde“. [quelle]

Ein drittes mal versuchte der Clan Coldgame anschließend , sich mit Turtle Entertainment zusammenzusetzen und den Fall von einem unabhängigen Gremium von Experten und Top-Spielern (den sog. G7) entscheiden zu lassen. Turtle Entertainment ging verständlicherweise nicht darauf ein, denn schließlich waren es Coldgame, die die Sache vor Gericht brachten und dabei verloren. Generell zeigten Sie sich allerdings an der Bildung eines solchen Gremiums interessiert, um derartige Gerichtsverfahren zukünftig zu vermeiden.

Es ist fraglich, ob Coldgame, wie angekündigt, eine Hauptverhandlung vor Gericht anstreben wird, da dies bei geringen Erfolgschancen einen weiteren finanziellen Aufwand zur Folge hätte. Selbst, wenn sie Diese gewännen und man die ESL-Sperre aufheben würde, wäre es zu dem Zeitpunkt bereits zu spät, an den begehrten Ligaspielen teilzunehmen.

Da man sich auf Seiten des Clans immernoch keiner Schuld bewusst zu sein scheint, sehen sich Mitglieder und Fans nun Willkür der ESL ausgesetzt. Da liegt es in der Natur der Sache, dass bereits heftig protestiert und eine erneute Sichtung des umstrittenen Materials gefordert wird. Man darf gespannt sein, ob sich der Clan rehabilitieren kann, wie hoch der Imageschaden der ESL ist und wie lange es dauert, bis unabhängige, einwandfreie Anti-Cheat-Gutachten zum Standard werden.

Vielleicht wäre all das nicht passiert, wenn Xektor auf konventionelles Doping, anstatt auf simple Cheats zurückgegriffen hätte 😉