Politiker machen Druck gegen „Killerspiele“: ESL-Turnier in Nürnberg abgesagt!

By on 22. April 2009

„Wir woll’n doch nur spielen!“ Wieder einmal erhalten friedliche eSportler einen Tiefschlag durch ignorante, blindwütig agierende Politiker, die sich – wie gewohnt – mehr um Wahlstimmen sorgen, als um so trivialen Kleinkram wie Fakten, Tatsachen oder gar gesunden Menschenverstand.

Günther BEckstein vs Killerspiele

Ich könnte mich an dieser Stelle mal wieder maßlos über die Art und Weise aufregen, wie Gamer hierzulande diskriminiert, pauschal verurteilt und zu unrecht abgestraft werden. Da ich das aber schon in der Vergangenheit zur Genüge getan habe, hier nur eine kurze Zusammenfassung:

Wie reagiert ein deutscher Politiker, wenn ein Jugendlicher Amok läuft? Zunächst einmal: Betroffenheit heucheln! Sind die Kameras dann wieder außer Reichweite, muss schnellstens ein Sündenbock her!Mal sehen, wir haben einen jugendlichen Amokläufer in Winnenden, der nicht nur uneingeschränkten Zugang zum übermäßig umfangreichen Waffenarsenal seines Vaters, sondern zudem auch noch umfassende Erfahrungen im Schützenverein und Paintball-Turnieren hatte. Hinzu kommen familiäre Probleme, Depressionen, Ausgrenzung in der Schule – der Fall ist sonnenklar: KILLERSPIELE sind schuld!

Gut, die Tatsache, dass allerorts in den Massenmedien öffentlich bekanntgegeben wird, dass  jeder von uns eSport-Fans ein potentieller Amokläufer mit schwerwiegenden Persönlichkeitsstörungen ist, dürfte seit Erfurt – sorry, ich meine Emsdetten – Jedem klar sein!

Doch nun reichen öffentliche Diffamierungen offensichtlich nicht mehr aus. Die aktuelle Austragung der IFNG, die eigtnelich am 29.05 in Nürnberg stattfinden sollte, wurde von höchster Stelle kurzfristig abgesagt. Counter-Strike: Source und Warcraft 3 waren die Disziplinen, in denen sich die eSportler an jenem Abend messen sollten.

Zwar gab es aus dem Bürgermeisteramt Nürnberg bisher noch keine offizielle Stellungnahme, doch der Fall dürfte ziemlich klar sein. Man hat Angst, sich durch die Austragung der Spiele bei potentiellen Wähler/Innen unbeliebt zu machen.

Was mich an dieser meldung jedoch am meisten amüsiert hat (auch, wenn es eher ein verzweifelt-resigniertes Galgenhumor-Schmunzeln war, als ein freudiges Lachen) ist der so perverse, wie aussagekräftige Widerspruch, dass im Gegensatzzu dem verschmähten Killerspiel-Event die internationale Waffenmesse (!) im März völlig ungehindert stattfinden konnte. Ist das nicht eine perfekte Analogie zum gesamten Verhalten der Politiker seit dem Amoklauf? Man erinnere sich: Die Vorschläge zur Veränderung des Waffengesetzes wurden damals ziemlich schnell und einstimmig abgeschmettert.

Mein Lieblingszitat in diesem Zusammenhang hat der gute Herr Schäuble von sich gegeben: „“Ich habe bisher keine Anhaltspunkte, dass ein noch strengeres Waffenrecht den Amoklauf in Wendlingen und Winnenden hätte verhindern können.“ Natürlich nicht – welcher Idiot würde überhaupt auf einen dermaßen abwegigen Gedanken kommen? Verbietet einfach alle gewalthaltigen Computerspiele, DAS wird das Problem ein für alle mal aus der Welt schaffen – HALLO !?

Ich glaube, das wahre Problem liegt schlicht darin, dass der eSport keine Lobby hat, die es auch nur annähernd mit jenen Sportwaffenbesitzern aufnehmen könnte. Somit ist unser „lieber Staat“ also nicht nur auf dem rechten, sondern auf noch auf ganz anderen Augen blind. Aber wer weiß… wenn das letzte Computerspiel verboten ist, der letzte Spieler eingekerkert wurde und die letzte Spieleversammlung aufgelöst ist, wachen die Menschen vielleicht endlich auf und merken, dass sich an ihrer eigentlichen Situation nicht das Geringste ändert, solange man sie Augen weiter vor der wahren Ursache des Problems verschließt.

Doch wahrscheinlich wird auch dann noch die Angst der Politiker vor einem Imageverlust gegenüber den vielen Waffenbesitzern in diesem Land viel zu groß sein, sodass man sich einen neuen Sündenbock suchen wird. Kleiner Tipp: Wie wär’s denn zur Abwechslung mal wieder mit der Gothic-Szene? Die ganzen bluttrinkenden Satanisten haben jetzt lange genug ihre Ruhe gehabt, geht doch Denen mal wieder auf die Nerven!

(@ meine dunkelhaarigen Freunde: Remember – Ich will doch nur spielen…)