Dechiffrieren für Anfänger: Gerätebezeichnungen verstehen

By on 31. März 2017

Berlin/München – Das günstigste Angebot für ein technisches Gerät finden ist gar nicht so leicht. Denn man muss genau wissen, wonach man sucht. Ein Tippfehler bei den teils langen, teils kryptischen Modellbezeichnungen kann verheerend sein. Darauf kommt es beim Vergleich im Detail an:

Bei Notebooks zum Beispiel verbergen sich hinter den Modellnummern oft relevante Informationen zu den verbauten Komponenten. «Weicht eine Zahl oder ein Buchstabe von der von Ihnen gewählten Modellnummer ab, können Sie schnell ein gänzlich anderes Notebook vor sich haben», warnt Stefan Trunzik vom Portal «Notebookinfo.de».

Dabei verfolgt jeder Hersteller ein anderes System bei den Typenbezeichnungen. «Die meisten Unternehmen verstecken innerhalb der Modellnummer nicht nur Angaben zur Größe oder Farbe des Notebooks, sondern auch grobe Hinweise zu den verwendeten Kernkomponenten wie Prozessor, Grafikkarte oder Arbeitsspeicher», erklärt Trunzik. Meist lässt sich auch die Modellgröße anhand der Nummer erahnen. Zahlen wie 13, 15 oder 17 stehen in den Nummern oft für die Bildschirmdiagonale.

Je nach Hersteller und Modell kann sich also ein Tippfehler deutlich bei der Recherche auswirken: «Anstelle eines großen 17-Zoll-Modells mit Intel-Prozessor könnte beispielsweise ein kompaktes 13-Zoll-Notebook mit Komponenten von AMD auftauchen», so Trunzik. Sein Rat lautet deshalb: Die technischen Daten eines Angebots immer noch einmal mit denen des gewünschten Notebooks abgleichen.

Es ist nicht selten, dass ein Gerät unter verschiedenen Modellnummern bei verschiedenen Händlern verkauft wird. «Damit wird dem Verbraucher eine Art Exklusivität im jeweiligen Online-Shop oder Elektromarkt vorgetäuscht, und das Vergleichen auf einer Preisvergleichs-Webseite gestaltet sich dann ohne Technik-Kenntnisse sehr schwierig», sagt Stefan Trunzik. Ein Beispiel: Ein Elektronikmarkt bietet ein Notebook namens 15-BA von Hersteller X für 599 Euro an. Im Netz verkauft ein Onlinehändler haargenau das gleiche Gerät als 15-BE für 559 Euro und ein anderer als 15-BK für 579 Euro.

Der Verbraucher soll denken, dass der jeweilige Händler das Modell exklusiv anbietet, damit er es anderswo nicht günstiger kauft. «Nur durch den manuellen Abgleich der kompletten Serie – in dem Beispiel Notebook 15 von Hersteller X ohne Modellnummer – und den verfügbaren Modellen samt technischen Daten ist es möglich, die Zusammenhänge zu erkennen», weiß Trunzik. Für Laien wird die Suche so schnell zu einer überfordernden Jagd durch den Angebotsdschungel.

Bei Fernsehern verhält es sich ähnlich: «In der Regel verstecken sich in der Bezeichnung eines TVs ganz konkrete Hinweise auf seine Displaygröße in Zoll, dessen Auflösung und die Serie, zu der er gehört», erklärt Andreas Nolde vom «Chip»-Magazin. Aus der Modellbezeichnung lassen sich oft auch Ausstattungsmerkmale ablesen.

Die Bedeutung von TV-Nummern ist sehr unterschiedlich. «Bei Panasonic finde ich es beispielsweise sehr schwierig», sagt Nolde. Einfacher sei es bei Samsung, Beispiel UE55KU6509: «UE steht bei allen Samsung TVs am Anfang, dann folgt die Bildschirmgröße in Zoll, hier 55 Zoll, was 139,7 Zentimetern entspricht.» Das Kürzel KU stehe für 4K-Auflösung – stünde an dieser Stelle nur ein K, wäre es Full-HD oder sogar nur HD-ready. «Die Ziffernfolge 6509 zeigt, dass der TV in der 6000er-Serie beheimatet ist, was der oberen, schon recht gut ausgestatteten Mittelklasse bei Samsung entspricht», so der Experte. Die Ziffern 509 verweisen unklar auf Ausstattungsmerkmale.

Bei LG setzen sich die Typennummer wieder völlig anders zusammen: «Beim 32LH604V steht die Diagonale gleich am Anfang – 32 Zoll», sagt Nolde. LH bedeutet Full HD. Sonst stünde hier UH für 4K. Und es handelt es sich um einen LCD-TV, sonst stünde hier noch OLED. Dann folgt die Serie: die 600er in einer speziellen Variante.

Auch bei Fernsehern wird wie bei den Notebooks die Vergleichbarkeit zum Teil durch die sogenannten Handelsmodelle erschwert. «Der Unterschied zum normalen Modell ist dann meistens nur eine Kleinigkeit, wie beispielsweise eine HDMI-Buchse mehr oder weniger», so Nolde. So bleibt es auch hier dem Verbraucher, bei der Recherche auf die Details zu achten und bei Unsicherheiten lieber die Details des Wunschgerätes bei verschiedenen Angeboten mit unterschiedlicher Typenbezeichnung genau unter die Lupe zu nehmen.

Namenszusätze bei Handys

Bei Smartphones begegnen Käufern oft Namenszusätze. Ursprünglich stand Mini zum Beispiel oft für das gleiche Gerät – nur mit kleinerem Display. «Heute bedeuten die Zusätze wie Lite, Mini oder Performance in der Regel aber auch, dass gegenüber einem Basismodell abweichende Hardware verbaut ist», weiß Hayo Lücke vom Portal «Inside-Handy.de». Wichtig sei es auf jedem Fall, sich vor einem Kauf ausführlich über die zahlreichen angebotenen Modelle zu informieren: «Denn häufig sind die technischen Unterschiede zwischen den auf den ersten Blick fast identischen Handys doch ziemlich gewaltig.»

Fotocredits: Karolin Krämer
(dpa/tmn)

(dpa)

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