Videokassetten überspielen

By on 10. November 2016

München – Sie stapeln sich noch immer in Haushalten: Videokassetten mit Aufnahmen von der Einschulung, von Geburtstagen und Urlauben am Meer. Daneben verstauben gekaufte Bänder mit Liebesschnulzen und Blockbustern. Wer seine analogen Schätze bewahren will, sollte allerdings schleunigst etwas tun.

Denn mit Funai hat sich der letzte Hersteller aus der Produktion von VHS-Videorekordern verabschiedet, und auch bei den in Geschäften und Online-Shops angebotenen Kassetten handelt es sich bereits um Restbestände. Zudem werden die Magnetbänder mit der Zeit spröde, die Farben verblassen. Digitalisierung heißt das Zauberwort, um die Erinnerungen auf DVD oder Festplatte zu übertragen.

Wer einfach nur Videokassetten auf DVD überspielen will, kann das ohne allzu großen Aufwand mit einem DVD-Rekorder tun, empfiehlt die Stiftung Warentest. Besonders komfortabel sind Kombigeräte aus DVD- und VHS-Rekorder. So kann der Film von der Kassette entweder direkt auf DVD oder erst auf eine integrierte Festplatte kopiert werden, um störende Vorläufe und Überhänge wegzuschneiden. In hoher Qualität passen rund zwei Stunden Videofilm auf eine DVD, durch Komprimierung ist auch die doppelte Spielzeit möglich. Gebraucht sind solche Multifunktionsgeräte ab rund 200 Euro zu haben. Alternativ kann der VHS-Rekorder auch per Scart- oder Cinchkabel mit einem DVD- oder Festplattenrekorder verbunden werden. Deutlich bequemer und mit mehr Optionen in der Nachbearbeitung gelingt das Überspielen jedoch am Computer.

«Unter dem Namen Video Grabber, Video Capture oder Video Konverter gibt es ab rund 10 Euro jede Menge Hardware, die Videosignale über Cinch oder SVHS empfängt, digitalisiert und über USB auf den Computer überträgt», erklärt Tim Ziemer von der Fachzeitschrift «Chip». Passende Software wird oft gleich mitgeliefert.

Videorekorder und Video Grabber werden per Kabel miteinander verbunden. «Befindet sich im Gerät nur eine Scart-Buchse, benötigen Sie einen Scart-S-Video-Cinch-Adapter. Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Scart-Stecker voll belegt ist», rät Thorsten Eggeling von der Zeitschrift «PC-Welt». Im Idealfall verwendet man drei Kabel mit Cinch-Steckern. S-Video-Kabel eignen sich in der Regel nicht, weil die meisten Videorekorder das nötige Signal nicht an der Scart-Buchse bereitstellen.

In den Software-Einstellungen muss beim TV-Standard im Normalfall PAL ausgewählt werden, NTSC kommt lediglich bei Abspielgeräten und Kassetten aus den USA zum Einsatz. Die Bildgröße ist mit 720 x 576 Pixeln korrekt bemessen. Bei der Videodigitalisierung müssen Nutzer sich für ein Ausgabeformat entscheiden: Sie können die analogen Aufnahmen etwa als MPEG-2 für Video-DVDs oder MPEG-4 für die Betrachtung am PC ablegen. «Jedes Format lässt sich später konvertieren, etwa zur Veröffentlichung bei Youtube», so Eggeling. Nachteil: Eine Neukomprimierung erfordert Zeit, häufig leidet auch die Qualität. Mit dem MPEG-4-Format macht man deshalb keinen Fehler und erhält vergleichsweise kleine Dateien bei ansprechender Bildqualität. Den Ton sollte man mit den Parametern 44,1 kHz und 16 bit Stereo aufzeichnen. Eine kurze Testaufnahme ist sinnvoll.

Damit die Filme vollständig auf der PC-Festplatte landen, muss zuerst der REC-Button der Software gedrückt werden, bevor das Abspielgerät starten darf. Den kleinen Vorlauf kann man später mit wenigen Mausklicks entfernen. Rund 1,5 Gigabyte Festplattenkapazität sollte man pro Stunde Überspielung einplanen. Die Bildqualität lässt sich mit Verbesserungswerkzeugen noch ein wenig optimieren, Anfänger sollten sich hierbei auf die Farbtemperatur und den Gamma-Wert beschränken.

Wer keine Lust oder Zeit hat, seine VHS-Bänder selbst zu digitalisieren, findet über das Internet zahlreiche Anbieter, die diese Dienstleistung ab etwa 10 Euro pro Kassette übernehmen. Ein Vergleich der Angebote ist unabdingbar: So sollte man auf versteckte Neben- und überteuerte Rücksendekosten achten.

Egal, für welchen Weg der Digitalisierung man sich für seine VHS-Kassetten entscheidet: Besser wird die Qualität auf keinen Fall, so das Telekommunikationsportal «Teltarif.de».

Fotocredits: Jens Schierenbeck
(dpa)

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