Vorgelesen und vergrößert: Eingabehilfen am Rechner

By on 10. November 2016

München – Ob Bildschirmlupe, -tastatur, Sprachausgabe oder hoher Kontrast: Microsoft hat ins
Windows-Betriebssystemzahlreiche Bedienungshilfen integriert. Sie lassen sich über das «Center für erleichterte Bedienung» in der Systemsteuerung regeln.

Dieses kann mit der Tastenkombination «Windows» und «U» besonders schnell aufgerufen werden. «Hier gibt es Möglichkeiten, Darstellung und Eingabe des PCs zu modifizieren, beispielsweise die Tastaturmaus, wo über den Nummernblock die Bewegung der Maus gesteuert werden kann», erklärt Michael Hubert vom dForschungsinstitut Technologie und Behinderung der Evangelischen Stiftung Volmarstein.

Für Menschen mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten lässt sich hier auch die Einrastfunktion aktivieren, so dass nicht mehrere Tasten gleichzeitig, sondern nur hintereinander gedrückt werden können. Auch eine Veränderung der Optik und Geschwindigkeit des Mauszeigers ist hier möglich. «Eine Verlangsamung der Maus kann eine große Erleichterung der Bedienbarkeit für Menschen mit Einschränkungen darstellen», sagt Hubert. Darüber hinaus kann die Bildschirmtastatur aktiviert werden. Hier können entweder über einen Touchscreen oder die Maus Tastatureingaben erfolgen. Auch gibt es einige Freeware-Programme, die mit Hilfe der Laptop-Kamera etwa durch Kopfbewegungen Eingaben ermöglichen.

Essenziell für Menschen mit Sehschwierigkeiten sind die Bildschirmeinstellungen. Die Größe der Schriftarten lässt sich mit wenigen Klicks bei beiden Betriebssystemen anpassen. In gängigen Webbrowsern lässt sich zudem die Größe, mit der geöffnete Webseiten angezeigt werden, anpassen – etwa durch gleichzeitiges Drücken der Tasten Steuerung (Strg) sowie Plus oder Minus.

«Auch der Kontrast des Bildschirms spielt eine wichtige Rolle», sagt Michael Telgkamp von der Stiftung MyHandicap. «Die meisten Menschen werden wohl mit einem hohen Kontrast am besten klarkommen. Aber: Eine Faustregel, für welche Sichtbehinderungen welche Einstellungen sinnvoll sind, gibt es nicht.» Hier sollte man verschiedene Einstellungen testen.

Oft unterschätzt wird auch die Bedeutung der Lage der Icons auf dem Desktop. «Manche Menschen haben in ihrem Sichtfeld schwarze Flecken», erklärt Bernhard Spelten vom Projekt PIKSL in Düsseldorf, das Menschen mit Behinderung moderne Informationstechnologie zugänglich machen möchte. «Liegen aus Sicht des Nutzers darunter Icons, kann er sie gar nicht wahrnehmen.» Wenn die Sehkraft ganz verschwunden ist, helfen sogenannte Screen Reader, etwa das im Apple-Betriebssystem MacOS vorinstallierte
Voice Over. Das Programm liest vor, was das Display anzeigt und führt so auch durch Steuerungsaktionen wie dem Auswählen einer Menüoption.

Eine ähnliche Hilfe gibt es in Windows 10 mit der Sprachausgabe. Ist sie aktiviert, erklärt eine Stimme, was sich unter dem Mauszeiger befindet oder dort steht. «Allerdings sind die Einstellungen beim MacOS-Betriebssystem deutlich benutzerfreundlicher einzustellen», sagt Bernhard Spelten. «Aber auch für Windows gibt es hervorragende Hilfsprogramme, die zwar zusätzlich installiert werden müssen, aber dann auch Nutzern mit Einschränkungen helfen, in der digitalen Welt zurecht zu kommen.» Egal ob Windows oder Mac: Wichtig sei, dass man jemanden hat, der einem bei der Einrichtung der Eingabehilfen unter die Arme greifen kann, wenn man sich selbst vielleicht nicht so gut auskennt.

Ausnahmslos empfehlenswert für alle Nutzer sind übrigens matte Bildschirme: Weil sie nicht spiegeln, lasse sich der Inhalt leichter ablesen, erklärt Michael Telgkamp. Nicht unbedingt ausschlaggebend sei dagegen die Größe des Bildschirms. Aber: «Für Senioren empfehlen sich bei normaler Motorik möglichst große Tastaturen», so der Experte. «Ist die Beweglichkeit jedoch eingeschränkt, kann eine kleine Tastatur ratsam sein, da man sich hier mit einer Hand auf der gesamten Tastatur zurecht finden kann.» Man merkt also: So unterschiedlich die Schwierigkeiten bei der Eingabe sein können, so unterschiedlich sind auch die Eingabehilfe-Möglichkeiten, so der Experte. Jeder Nutzer müsse seine individuelle Lösung finden, und das geht am besten durch Ausprobieren der Geräte und Programme.

Fotocredits: Franziska Gabbert,Franziska Gabbert,Franziska Gabbert,Franziska Gabbert,Franziska Gabbert,Apple
(dpa/tmn)

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