Zehn Jahre Ebay-Kleinanzeigen

By on 6. September 2019

Berlin – Wer sein altes Fahrrad, den abgenutzten

Küchenschrank, oder den überholten Staubsauger loswerden will, hatte

es selten so leicht wie heute: Schnell ein paar Fotos mit der

Handykamera gemacht und in wenigen Minuten das Angebot online

gestellt.

Geht alles gut, ist man schon wenig später um ein paar Euro

und etwas Platz in der Wohnung reicher. Für Millionen Menschen ist

für solche Transaktionen das Internetportal Ebay-Kleinanzeigen die

erste Anlaufstelle. Die Marke feiert nun zwar ihr zehnjähriges

Bestehen. Doch eigentlich ist das Angebot des Ebay-Konzerns deutlich

älter.

30 Millionen Nutzer monatlich

2009 ging das Kleinanzeigen-Portal aus dem bestehenden Online-Angebot

Kijiji hervor, das es in anderen europäischen Ländern nach wie vor

gibt, und damals schon zu den größten Kleinanzeigen-Plattformen

in Deutschland gehörte. Unter dem Namen Ebay-Kleinanzeigen ist das

Geschäft stetig weiter gewachsen. «In seinen ersten Monaten zählte

der Online-Kleinanzeigenmarkt durchschnittlich acht Millionen

Besucher pro Monat», teilt das Unternehmen mit. «Bis 2018 stieg die

Zahl der Nutzer auf durchschnittlich 30 Millionen pro Monat.» Jede

Minute veröffentlichen sie demnach rund 500 neue Anzeigen – die

meisten davon in den drei größten Städten Deutschlands.

Dass sich das Geschäft mit Kleinanzeigen zunehmend im Internet

abspielen würde, hatten schon lange vor 2009 nicht nur Ebay, sondern

auch zahlreiche Verlage erkannt. Print-Anzeigenblätter wie Avis, der

heiße Draht oder Quoka hatten beim Antritt von Ebay-Kleinanzeigen

schon längst ihre eigenen Online-Portale. Private Kleinanzeigen im

Print lagen damals schon auf niedrigem Niveau und sind in den

vergangenen zehn Jahren laut Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger

(BDZV) noch einmal um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Online spielt die Anzeigen-Musik

«Um im Wettbewerb mit Online-only-Anbietern bestehen zu können,

kooperieren zahlreiche Verlage im Rubrikengeschäft», sagt

BDZV-Sprecherin Anja Pasquay. Doch online spielt die eigentliche

Musik. «Nahezu jeder Zeitungsverlag in Deutschland hat im Internet

entsprechende Angebote», sagt sie mit Blick auf die aktuelle Lage.

Dazu gehören auch auf bestimmte Nischen spezialisierte Portale wie

die Job-Anzeigen-Plattform Stepstone oder das Immobilienportal

Immowelt.

An Ebays Reichweite gelangt allerdings keiner von ihnen – zumindest,

was den allgemeinen Markt mit Kleinanzeigen angeht. Das zur Hälfte

dem Verlag der Rheinischen Post und der Ippen Mediengruppe gehörende

Portal markt.de kam zuletzt nach Angaben des

Online-Forschungsunternehmens Agof mit monatlich im Schnitt knapp

zwei Millionen Besuchern lediglich auf einen Bruchteil.

Kuriose Inserate

Das mag auch daran liegen, dass Ebay-Kleinanzeigen immer wieder bei

besonders kuriosen Inseraten Aufmerksamkeit bekommt: Schon im Jahr

2011 löste eine Kleinanzeige Aufregung aus, in der jemand zwei Babys

aus Nordrhein-Westfalen zur Adoption angeboten hatte. Kürzlich

kritisierte der Deutsche Tierschutzbund den Handel mit lebenden

Tieren auf der Plattform. «Die Online-Plattform ermöglicht unseriöse

Verkäufe ebenso wie nicht sachkundige Spontankäufe, die das Tierwohl

massiv gefährden», warf der Verband dem Konzern vor.

Der wiederum erinnert lieber an das Angebot des Dreimastseglers

«Alexander von Humboldt», das vor allem aus der Werbung der Biermarke

Beck’s bekannt war und für 750.000 Euro zum Verkauf stand; oder an

2,2 Millionen Klicks, die ein Anbieter bekam, der seinen alten VW als

«Dreckskarre» anpries. Auch ein Waggon der Wuppertaler Schwebebahn

stand schon zum Verkauf. Da wirkt es schon fast langweilig, wenn es

weiter von Ebay heißt: «Am häufigsten wird Kleidung angeboten.»

Fotocredits: Julian Stratenschulte
(dpa)

(dpa)

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