Kamera-Tuning fürs Smartphone

By on 28. August 2018

Gelsenkirchen – Unscharf, blass, dunkel: Nicht jedes Smartphone bietet ab Werk eine berauschende Fotoqualität. Das kann an einem schlechten Kameramodul liegen, aber auch an der Kamera-App.

Die vorinstallierte Anwendung bietet oft nur einen schmalen Funktionsumfang oder manipuliert die Bilder automatisch, ohne dass der Fotograf es merkt.

«Einige Handys bieten direkt beim Fotografieren mit der Frontkamera automatische Hauttonkorrektur, Augenvergrößerung und Entzerrung an», erklärt der Foto-Journalist Heico Neumeyer. Das ist gut gemeint, kann aber unnatürlich wirken. Fotografen wissen mit ein paar manuellen Einstellungen oft viel mehr aus den Bildern herauszuholen.

Verschiedene Smartphone-Kameras können aber auch mit denselben Einstellungen unterschiedliche Ergebnisse liefern. Es empfiehlt sich, mehrere Apps zu testen, um die beste Software für das eigene Gerät zu finden.

Foto-Apps für Android haben es schwerer als iPhone-Anwendungen. «Während die Entwickler bei Apple ihre Apps nur für wenige Kamera-Module optimieren müssen, gibt es sehr viele unterschiedliche Android-Smartphones von vielen Herstellern mit verschiedensten Kameras», erklärt Alexander Spier vom Fachmagazin «c’t». Das erschwere eine gezielte Optimierung.

Daher hat der Entwickler Mark Harman das Projekt
«Open Camera» ins Leben gerufen. Die App auf Open-Source-Basis bietet fast jede erdenkliche Einstellmöglichkeit und kann daher gezielt an das eigene Smartphone angepasst werden. Sogar die Bedienoberfläche lässt sich für Rechts- oder Linkshänder optimieren. Dazu kommen Funktionen wie eine automatische Bildstabilisierung oder HDR. Die kostenlose App wird zudem ständig weiterentwickelt. Wer dabei helfen möchte, kann Entwickler Harman per
App 2,29 Euro spenden.

Ebenfalls einen recht großen Funktionsumfang bietet
«Manual Camera» von den Geeky Devs Studio. Die App richtet sich recht gezielt an Besitzer einer Spiegelreflexkamera und will den Umstieg auf oder die zeitweilige Nutzung des Smartphone versüßen. Dazu orientiert sie sich bei der Bedienoberfläche an Kameras von Canon, Nikon und Co. So werden Blende, ISO oder Belichtungszeit etwa mit einem kleinen Rädchen auf dem Bildschirm eingestellt. Die App kostet 3,29 Euro.

Wem andere Kamera-Apps bislang zu kompliziert waren, sollte
«Footej Camera» von Semaphore ausprobieren. Die App hat den Anspruch, das Maximum aus der Smartphonekamera herauszuholen, dabei aber trotzdem einfach zu bedienen zu sein. Tatsächlich ist die Bedienoberfläche sehr simpel gehalten und für Schnappschüsse optimiert.

In den Menüs sind aber auch zahlreiche Funktionen für aufwendigere Bilder versteckt. So erlaubt etwa der Burst-Modus, viele Bilder in rascher Abfolge zu schießen, um Bewegungen optimal einzufangen. Auch animierte GIFs lassen sich erstellen. Die Grundversion ist gratis, die erweiterte Version kostet ab 2,99 Euro.

Auch für iOS-Geräte gibt es Alternativen zur Kamera-App von Apple – etwa
«Procam 5» von Samer Azzam. Sie bietet den vollen Funktionsumfang für Profis, etwa Aufnahmen im unkomprimierten RAW-Format. «RAW erlaubt eine bessere Weiterverarbeitung mit Profi-Software wie Adobe Lightroom», sagt Alexander Spier. Diverse Bildformate unterstützt die App (6,99 Euro) ebenso wie die Einblendung von Gitterlinien, die bei der Bildkomposition helfen. Und auch Video-Aufnahmen in 4K-Auflösung sind möglich.

RAW-Unterstützung bietet auch die iOS-App
«Halide» von Chroma Noir (6,99 Euro). Daneben gibt es einen großen Funktionsumfang, eine aufgeräumte Oberfläche und die Möglichkeit, eine Apple Watch als Fernauslöser zu nutzen. Dabei sieht der Fotograf auf der Uhr auch eine Live-Vorschau des Bildes. Darüber hinaus sind auch die manuellen Einstellmöglichkeiten vielfältig.

«VSCO» von der Visual Supply Company will mehr als eine App, sondern auch eine Community für Fotografen und Filmemacher sein. Bilder und Filme können sofort hochgeladen und diskutiert werden. Artikel und Tutorials ermuntern zum Ausprobieren neuer Techniken. Dementsprechend gibt es laufend neue oder wechselnde Filter in der App. Damit eignet sich «VSCO» auch gut für Einsteiger, die sich ausprobieren wollen und den ewig gleichen «Instagram»-Look satthaben. Die App ist kostenlos, ein Zugriff auf alle Inhalte der Community setzt aber ein Jahresabo voraus.

Fotocredits: Silvia Marks,ProCam,Chroma Noir,VSCO,Semaphore Inc,Mark Harman
(dpa/tmn)

(dpa)

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