Unaufgeregte Rückkehr an die Spitze: Das Nokia 8 im Test

By on 3. Oktober 2017

Berlin – Nokia ist zurück, jetzt sogar mit einem Spitzenmodell. Nach den Einsteiger- und Mittelklasse-Androiden Nokia 3, 5 und 6 hat Markeninhaber HMD Global mit dem Nokia 8 nun auch ein ausgewachsenes Android-Smartphone für das obere Ende der Preisklasse im Angebot.

570 Euro soll es kosten und bietet aktuelle Spitzenhardware in einem ansprechenden Gehäuse. Aber reicht das? Die inneren Werte des Nokia 8 liegen auf einem Niveau mit aktuellen Spitzenmodellen der Mitbewerber. Qualcomms Prozessor Snapdragon 835, 64 Gigabyte (GB) Speicherplatz (bis zu 256 GB mehr per Speicherkarte), 4 GB Arbeitsspeicher, LTE, Schnellladung – die Hardware ist konkurrenzfähig. Auch die Batterie mit etwas mehr als 3000 Milliamperestunden Kapazität muss sich nicht verstecken.

Wo andere Hersteller mittlerweile auf runde Kanten, gebogene Displaygläser oder beinahe randlose Displays setzen, gibt sich das Nokia 8 geradezu klassisch: Das Gehäuse besteht aus Aluminium und wird nach Herstellerangaben aus einem einzelnen Block gefräst, darin sitzt ein 5,3 Zoll großes Display, oben wie unten gibt es einen fingerbreiten Rand – beim zweiten Blick kommen Erinnerungen an die Lumia-Serie aus Nokias Kooperationszeit mit Microsoft auf.

Die Durchbrüche für guten Empfang sind elegant in den Gehäusekanten versteckt, im metallicblauen Testgerät fallen die Plastikstreifen farblich kaum auf. Etwas schade: Explizit wasserfest ist das Nokia 8 nicht, sondern nur gegen Spritzwasser geschützt (IP54). Einen Platzregen überstand es trotzdem unbeschadet. Gegen das leicht rutschige Gehäuse hilft am besten eine Hülle, die Fingerabdrücke auf der glänzenden Vorderseite macht ein Mikrofasertuch vergessen.

Wer das Nokia 8 in Betrieb nimmt, erlebt gleich zwei Überraschungen. Zum einen gefällt das IPS-Display (2560 zu 1440 Pixel) auf Anhieb mit lebendigen Farben, guter Weißdarstellung und dunklen Schwarztönen auch bei flachen Blickwinkeln. Zum anderen entfällt das von anderen Herstellern gewohnte und umständliche Einrichten zahlloser zusätzlicher Nutzerkonten, Shop-Zugängen oder Cloud-Diensten.

Auf dem Nokia 8 gibt es nämlich – wie auch schon bei den günstigeren Ablegern Nokia 3, 5 und 6 nur Googles Android, Googles Clouddienste und den Sprachassistenten Google Assistant. Sonst nichts. Das kann man gut finden, muss man aber nicht. Man könnte sagen, Nokia lässt hier Potenzial ungenutzt, sich von der Konkurrenz durch eigene Akzente abzusetzen.

Auf der Plusseite beschleunigt die Auswahl des puren Androids den Start und hat noch einen anderen angenehmen Nebeneffekt. Nokia-Nutzer erhalten mit als erste neue Sicherheits- oder Funktionsupdates, statt darauf lang – und oftmals vergeblich – zu warten. Zweimal während des gut zweiwöchigen Tests gab es frische Software. Ein Pluspunkt.

Einen guten Eindruck hinterlassen auch die Kameras. Die Frontkamera mit 13 Megapixeln Auflösung schießt derart scharfe Selbstporträts, dass einem an einem müden Morgen das kalte Grausen kommt. Abhilfe schafft ein «Schönheit» genannter Modus, der per Weichzeichner ein paar Jahre oder durchfeierte Stunden aus dem Gesicht glättet.

Die gemeinsam mit Zeiss entwickelte Doppelkamera (jeweils 13 Megapixel, einmal Farbe, einmal monochrom) bietet zahlreiche praktische Einstellungen. Etwa nachträgliches Verändern von Tiefenschärfe sowie Fokus oder Bokeh-Effekt, der besonders gut für Porträts geeignet ist. Freunde von Schwarz-Weiß-Bildern können mit der zweiten Linse kontrastreiche Monochromaufnahmen schießen.

Nicht ganz neu, aber im Nokia 8 gut umgesetzt, ist eine Funktion namens Dual-Sight. Oder Bothie, wie Nokia es nennt. Auf Wunsch werden simultan Bilder beider Kameras aufgezeichnet. Man sieht auf den Fotos also sowohl Motiv als auch Fotograf, im Videomodus geht das sogar bei 4K-Auflösung. Drei Mikrofone sollen auch 360-Grad-Raumklang aufzeichnen können. Wer derartige Spielereien mag und etwa für seine Social-Media-Auftritte zu nutzen weiß, kann hier viel Spaß haben.

Fazit: Mit dem Nokia 8 ist den Finnen von HMD Global die Rückkehr in die Reihe der Spitzenmodelle gelungen – auf die finnische Art. Unaufgeregt, unauffällig, aber solide. Technisch muss sich das Nokia 8 hinter der Konkurrenz nicht verstecken, das klassische Design wird sicher seine Liebhaber finden. Auch die Entscheidung für pures Android ist clever. Zwar gibt es etwa mit dem OnePlus 5 ein ähnlich ausgestattetes Smartphone für weniger Geld, alles in allem ist das Gebotene zu einem Preis von rund 570 Euro aber sehr fair.

Fotocredits: Alexander Heinl,Alexander Heinl,Alexander Heinl,Alexander Heinl,Alexander Heinl,Alexander Heinl,Alexander Heinl,Alexander Heinl,Alexander Heinl,Alexander Heinl,Alexander Heinl
(dpa/tmn)

(dpa)

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