Wie es mit dem Digitalradio weitergeht

By on 27. Dezember 2018

Berlin – Die Ultrakurzwelle ist ein Dino: 1949 ging der erste UKW-Sender des Bayerischen Rundfunks an den Start, und bis heute dominiert der Standard das deutsche Radio. Dabei gibt es längst eine neue Technik: Digital Audio Broadcasting (DAB+), sinngemäß also digitale Hörfunkverbreitung.

Das Plus-Zeichen steht für die zweite Generation, die 2011 den Vorgänger DAB ablöste. Die Technik ist rauschfrei, komfortabel, bietet mehr Informationen und wird ebenso terrestrisch verbreitet.

Die meisten hören noch mit UKW

Obwohl technisch überlegen, hat das Digitalradio einen schweren Stand. Gerade mal 6 Prozent der Nutzer hören vorwiegend über DAB+, während UKW für fast 70 Prozent der Nutzer die Hauptempfangsart ist, wie aus dem
Digitalisierungsbericht Audio 2018 der Landesmedienanstalten hervorgeht. Selbst Internetradio ist mit knapp 10 Prozent als überwiegende Nutzungsart verbreiteter als
DAB+.

Damit sich das europaweit ändert, hat das EU-Parlament 2018 beschlossen, dass neue Autos künftig mit Digitalradios ausgestattet sein müssen. Experten gehen von einem Inkrafttreten der Regelung ab 2021 aus. Bislang ist ein DAB+-Autoradio oft aufpreispflichtiges Extra und ein reines UKW-Radio die Standardausstattung. Sollte die EU-Regelung kommen, könnte das die Wende zugunsten des Digitalradios bedeuten. Denn Stand Ende 2018 ist eine UKW-Abschaltung und damit der zwangsweise Umstieg auf digitalen Hörfunk hierzulande nicht absehbar.

Hohe Kosten für Privatsender

Vor allem Privatradios lehnen einen zwangsweisen Umstieg ab: «Zusätzliche Verbreitungswege bedeuten zusätzliche Kosten ohne entsprechende Einnahmen», sagt Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste im Verband privater Medien (Vaunet). Er schätzt die Kosten des Umstiegs für den privaten Rundfunk auf 500 Millionen Euro. Nur wenige Privatsender strahlen ihr Programm auf DAB+ aus, die meisten Sender beschränken sich auf UKW und Internetradio. Analoges Radio sei existenziell für viele Privatsender, meint Schunk: «Der Presse wird ja auch nicht die Druckmaschine verboten, um den Umstieg in die digitale Welt zu gestalten.»

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind dagegen bereits im digitalen Radionetz unterwegs und würden die UKW-Verbreitung – ebenfalls aus Kostengründen – am liebsten in absehbarer Zeit beenden. Vom Bundesverkehrsministerium gibt es zwar schon eine
«Roadmap» zur Abschaltung, diese ist aber unverbindlich.

Vorteile von DAB+

Technisch hat DAB+ Vorteile gegenüber UKW: «Insgesamt können mehr Sender auf einem Frequenzblock ausgestrahlt werden als bei UKW, mit erweiterten Angeboten etwa für Information, Klassik oder Schlager», erklärt Carsten Zorger vom Digitalradio Büro Deutschland, das sich für DAB+ engagiert, und hinter dem ARD, Deutschlandradio, private Radioveranstalter, Gerätehersteller und Netzbetreiber stehen.

Über 230 DAB+-Programme gebe es aktuell, die wie bei UKW überwiegend regional zu empfangen seien, erklärt Zorger. «Zudem können die Sender Informationen wie Albumcover, Schlagzeilen, Staumeldungen übermitteln oder einen digitalen Programmführer». Internet sei dazu nicht nötig. «DAB+ kostet nichts extra, ist stabil und fast überall empfangbar. Davon werden auch die Privaten profitieren», meint Zorger.

Aktuelle Verkaufszahlen lassen die Digitalradio-Befürworter hoffen: In den ersten neun Monaten 2018 wurden 770.000 DAB+-Geräte verkauft – eine Steigerung von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie der Branchenverband gfu ermittelt mit. Insgesamt dudeln bereits zwölf Millionen DAB+-Geräte in Deutschland, 4,4 Millionen davon in Autos.

Beide Techniken zum Übergang

Aktuelle DAB+-Radios – egal ob für daheim oder fürs Auto – können immer sowohl UKW als auch DAB+ empfangen, weiß Christian van de Sand von der Stiftung Warentest: «So ist gesichert, dass Sie Privatsender über UKW empfangen können und gleichzeitig bei DAB+ die Vorteile nutzen.» Offenbar haben zumindest viele Hersteller UKW schon gar nicht mehr im Fokus. Denn in einem Radiovergleich der Warentester konnte kaum ein Digitalradio beim UKW-Empfang glänzen.

Bei DAB+ ist das van de Sand zufolge anders: Hier gab es im Test gut wie keine Probleme. Nach dem Einschalten zeigten die Radios die verfügbaren Sender gleich im Display an, ganz ohne Suchlauf. Zur Geräte-Wahl rät er: Wer nur ein Radio sucht, das analog wie digital empfängt, sollte 40 bis 100 Euro anlegen – aber kein Sound-Wunder erwarten. Denn die meisten Radios sind auch mit DAB+ weiter eher als Küchenradio zum Nebenbeihören konzipiert. So kam der Ton im Vergleich der Stiftung bei keinem Radio über ein «Befriedigend» hinaus.

Digitalradio-Empfang und -Ausstattung

Wo man was via DAB+ hören kann, lässt sich auf der Infoseite Dabplus.de ermitteln. Dort gibt es eine Empfangskarte, die zwischen Empfang in Häusern und draußen, also etwa im Auto, unterscheidet. Abgesehen von einem guten Dutzend Programmen, die bundesweit gesendet werden, unterscheiden sich die ausgestrahlten Programme wie auch bei UKW von Bundesland zu Bundesland, von Region zu Region, aber auch lokal. Unterm Strich kommt man so je nach Standort insgesamt auf eine Zahl von rund 20 bis 50 empfangbaren Sendern.

Eine schier endlose Auswahl von Radiostationen aus der ganzen Welt bietet dagegen Internetradio. Viele Hersteller sind schon dazu übergegangen, Digitalradios auch mit LAN oder WLAN anzubieten, damit zusätzlich Programme aus dem Internet wiedergegeben werden können. Die Stiftung Warentest hat mehrere Geräte dieser Kategorie unter die Lupe genommen: Sie kosteten meist über 100 Euro und hatten einen eher schlechten UKW-Empfang sowie einen mäßigen Klang, zeigten aber gute Leistungen bei DAB+ und Internetradio. Manche vernetzte Digitalradios könnten zudem Musikstreaming-Dienste direkt abspielen.

Fotocredits: Andrea Warnecke,Stiftung Warentest,Florian Schuh
(dpa/tmn)

(dpa)

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